Die schöpferischen Jahre

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Leben und Werk sind nicht zu trennen. Die mit Inhalten beladenen Arbeiten sprechen für sich selbst. Jedes mal werden bei ihrer Entstehung Veränderungen und Erfahrungen, die in meinem Leben stattfinden, zum Ausdruck gebracht  


Prägende Erlebnisse aus der Kindheit finden sich in meiner Arbeit wieder, geben ihr Inhalt und lassen den Ort meiner Geburt - Velay en Puy in der Auvergne - erkennen. Die Erinnerungen an die romanischen Kulturgüter, - den karolingischen Schmuck, die Altaraufsätze und Reliquienschreine - die großartigen gedrungenen Basiliken, die durch ihre Gemessenheit unberührt anmuten und durch ihre, auf das Wesentliche beschränkte Aussage der archaischen afrikanischen Kunst nahe stehen. Hier findet die Verwendung des Materials Messing eine Erklärung und führt zu dem, dem Werk eigenem Ausdruck.
fer blanc peint

1985 schrieb Henri Comby an Frau Rocher-Jauneau, Konservatorin im Museum Lyon. Dieser Brief ist ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis seines Werkes


totem
Neben dem Familienleben ist auch die Begegnung mit dem Tod - sei es auf dem Friedhof oder in den Schlachthäusern - von Einfluss. Diese Erlebnisse sind für lange Zeit prägend. Meine Studien machte ich vor den aufgehängten offenen Tieren und den Gerippen in der Schlachterei meines Vaters. Ich lernte so nicht nur die Innenstrukturen der Körper verstehen, sondern auch die, mit den notwendigen Arbeitsabläufen verbundene Gewalt.

Häufiges Lesen und der Besuch von Ausstellungen, Krieg und Aufrüstung betreffend, hatten sicher einen Einfluss. Die lange Reihe der zerstörten Gipsskulpturen, die Bilder, die Zeichnungen und die Panzer sind ein Ausdruck gegen kriegerische Agressionen. 

 

laiton lyon
 pierre jardin


Die Erforschung des Weltraumes und die Fortschritte in der Raumfahrt verfolgte ich mit Interesse. Der Mensch auf dem Mond wird zum Gegenstand für Collagen. Die Möglichkeiten des Gebrauchs heute verfügbarer Werkzeuge und Maschinen wurden von mir genutzt, ohne mich jedoch von Meißel und Stein zu entfernen.

Während einer Reihe von Reisen fand die Begegnung mit den Bildern von Fayoun, Donatello, Grünewald, Jamnitzer, Pierre Puget, Gaudi und Rodin statt. Ebenso fühlte ich mich von Werken zeitgenössischer Künstler, wie Raymond Mason, Ipostéguy, Rustin und Roseline Granet angesprochen, was auch in den Heften mit den Ideenskizzen zum Ausdruck kommt.

Schließlich kann das Geschehen auf der Welt das uns mitgeteilt wird, nicht unberührt lassen. Eine Folge von Unglücken, von Katastrophen, von Hungersnöten, eine Reihe unsinniger, nicht enden wollender Kriege vergrößert die bestehenden Spannungen.

Die Frage nach dem Sinn wird wohl gestellt, aber verharmlost

 


 grosse tête fer blanc

crochet athéna  
Die Athenas, Göttinnen der Krieger, einerseits humoristisch, andererseits wild entschlossen zur Verteidigung, stammen nicht von Fantasiebildern , sondern spiegeln die uns täglich umgebende Gewalt wider, die sich formal neutraler und „angeschönter“ ausdrücken ließe. Ich habe mich entschlossen entgegen dem Zeitgeist , die Begegnung mit den Randerscheinungen im Dschungel der Kultur anzunehmen und diese deutlich zu machen.



Die Geschichte eines Wagnisses, durchgeführt im „Centre Hospitalier“ in Pierrefeu in der Var.

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Bei meinen früheren Erfahrungen, die ich in den großen Gemeinschaftsräumen in der Anstalt in Laënec machte, konnte ich einen ansteckend wirkenden Humor bei den Kranken beobachten. Sie stellten aus Streichholzschachteln kleine Menschenfiguren her, die durch Ziehen an Fäden ruckartig die Brüste oder den Penis bewegten.



Eine geschickte Art, die Langeweile zu töten, ohne sich dabei in die quälende Unsicherheit menschlicher Abenteuer zu begeben, die neben der Wirklichkeit Träume provozieren. 35 Jahre später – ich weiß nicht ob das Leben schneller geworden ist, oder ich langsamer - schreibt die Zeit mir einen logischen Abschluss vor, der sich für mich darin ausdrückt Steine zu behauen oder Bronzen zu ziselieren. Dabei gehe ich von der zwingenden Notwendigkeit aus, jene teilhaben zu lassen, die vor Langeweile keine Beschäftigung finden, überwiegend privilegierte Männer und Frauen, die mit Erstaunen die geistig Kranken und deren Fähigkeiten entdecken.

 

Ein einfacher kurzer Satz:“Der Laie bei der Arbeit“(l`homme du commun à l`ouvrage). Titel eines Buches von Jean Dubuffet. 

Hier die Angabe meiner Vorlieben und meiner Quellen: Ein anerkennenswertes Projekt wurde um 1908, also zu Beginn des letzten Jahrhunderts durchgeführt. Die Psychater von Albi und Villejuif sammelten seltsame und außerhalb der Normen liegende Arbeiten. 1920 stellte Hanz Prinzhorn 6000 Werke sicher und später häufte Dubuffet in der Rue de Sèvre in Paris eine phänomenale Sammlung von Arbeiten geistesgestörter Menschen an. Diese übergab er später an das Museum für „Art Brut“ in Lausanne.

Léo Navratif schrieb eine hervorragende Arbeit über die Werke von Patienten, die im Dorf Gugging, nahe bei Wien, entstanden. „Le Cheval bleu“ in Paris sollte in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden.

Am Ende die intensivste Schöpfung eines bescheidenen Briefboten, der unter dem Namen „Facteur Cheval" bekannt wurde. Dessen wahnsinnige Arbeiten können der,,Art Brut "zugeordnet werden.

Umgeben von den nicht zu vergessenden Vorgängern, bleiben die gemeinsamen Erfahrungen, die ich im Kunstatelier der C.H.S. von Pierrefeu gemach habe. Es ist die Geschichte eines Wagnisses, das am Ende der Entdeckungen auch Zweifel und Widersprüche hinterlässt.

Die Kraft der „Art Brut“





Musée Prinzhorn
Heidelberg
Coll. Prinzhorn








Aloise

(Musée de l'Art Brut Lausanne)

Aloise, Musée de l 'art brut Lausanne
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